Bau- und Architektenrecht: Die Funktionstauglichkeit von Fenstertüren

Über den Boden schleifende Fenstertüren stellen nicht zwangsläufig einen Mangel dar. Zumindest dann nicht, wenn der Fensterbauer keine Kenntnis darüber hatte, welche Höhe der Bodenaufbau beanspruchen werde. Vorliegend wurde der Bauherr auf Zahlung ausstehenden Werklohns eines Fensterbauers in Anspruch genommen. Mit Erfolg. Den Einwand des Bauherrn, das Werk sei aufgrund der über den Boden schleifenden Fenstertüren mangelhaft, erkannte das Gericht nicht an. Der Bauherr könne sich nicht auf die Funktionslosigkeit der Fenster berufen, weil die endgültige Höhe des Bodenaufbaus vom Fliesen- und Estrichleger abhänge. Zum Zeitpunkt des vorangegangen Fenstereinbaus falle dies nicht in den Verantwortungsbereich des Fensterbauers. Zudem habe sich der Fensterbauer an die vorgegebenen Toleranzen für den Einbau von Türen gehalten, die Fenster entsprächen auch den anerkannten Regeln der Technik. Das Werk sei somit abnahmereif – der Werklohn fällig.

Kommentar

Im Ergebnis stellt das Gericht zutreffend darauf ab, dass es für die Funktionstauglichkeit eines Gewerks in erster Linie auf die vertragliche Vereinbarung ankommt. Der generelle Einwand, dass eine Fenstertür sich ganz öffnen lassen müsse, greift somit nicht. Hier wurden die Vorgaben der (fehlerhaften) Planung für Türen eingehalten. Mithin kann der Auftragnehmer grundsätzlich nicht für unvorhersehbare Mängel nachfolgender Gewerke haften.

Datum: 14.06.17

Autor: André Bethge, LL.M. - a.bethge@bethge-legal.com

Fundstelle: LG Krefeld, Urteil vom 03.08.2016, 2 O 346/15, BeckRS 2016, 110617

 

© bethge ǀ immobilienanwälte