Grundstücksrecht: Gefahren des Miteigentums

Ist ein im Miteigentum mehrerer stehendes Grundstück durch eine Eigentümergrundschuld belastet und deswegen die Versteigerung praktisch unmöglich, kann jeder Miteigentümer die Zustimmung der anderen zur Löschung der Grundschuld verlangen. Eine Eigentümergrundschuld wird eingetragen, wenn das mit der Grundschuld gesicherte Darlehen abgezahlt und an den Eigentümer abgetreten ist. Bei einer Versteigerung wird sie in voller Höhe in das Mindestgebot eingerechnet. Übersteigt der Wert der eingetragenen Grundschuld den Wert des Grundstücks, so ist eine Versteigerung praktisch unmöglich. Der andere muss der Löschung zustimmen, damit das Grundstück versteigert werden kann.

Kommentar

Besonders relevant ist diese Entscheidung, wenn es sich - wie im konkreten Fall - bei den Miteigentümern um zwischenzeitlich geschiedene Eheleute handelt. Denn der Anspruch auf Zustimmung zur Löschung ist unabhängig davon, wer die Schulden getilgt hat oder wer in der Immobilie lebt. Im konkreten Fall hatte der Ehemann während der Ehe als Alleinverdiener die Schulden getilgt und lebte nach der Scheidung weiterhin in der so gemeinsam erworbenen Wohnung. Trotzdem muss er - ohne Anrechnung der Schuldentilgung - die Versteigerung ermöglichen, also der Löschung der Eigentümergrundschuld zustimmen.

Datum: 24.01.18

Autor: Nils Flaßhoff - flasshoff@bethge-legal.com

Fundstelle: OLG Karlsruhe, Beschluss vom 20.07.2017, 2 UF 52/17, IBRRS 2017, 3748

 

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